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Wie geht es unseren Geschwistern in Ruanda?

Wer in unser Partnerland Ruanda reist und in Kigali am Flughafen ankommt, trifft zunächst auf Urumuri. Urumuri ist ein Roboter, der die Temperatur der Ankommenden misst und genau überprüft, ob sie ihre Maske richtig tragen.

Technisch betrachtet ist Ruanda im Vergleich zu vielen anderen Staaten weltweit recht gut ausgestattet. Ruanda ist kriegs- und krisenerprobt und hat Erfahrung mit Epidemien, so dass das Land – laut Informationen der Vereinten Evangelischen Mission - auf das Virus einigermaßen vorbereitet war.

Allerdings sind die wirtschaftlichen und damit auch die sozialen Folgen nach einem langen Lockdown 2020 und einem Teillockdown 2021 sehr viel schwerwiegender als in Deutschland oder in anderen Staaten.

Um die Ausbreitung von Covid zu verhindern, gab es am 21. März 2020 einen nur wenige Stunden zuvor angekündigten, sehr strengen Lockdown mit kompletter Ausgangssperre. Dabei war die Situation in den Städten deutlich schlimmer als in den Dörfern. Schulen, Geschäfte, Fabriken, Hotels und Einrichtungen waren geschlossen, viele Menschen verloren ihre Arbeit und ihren Lebensunterhalt. Auf dem Land wurde weiterhin auf den Feldern geernet, doch es gab weder die Erlaubnis noch die Transportmittel, um die Ernte in die Städte zu befördern.

Es gibt zwar ein staatliches, bürokratisch sehr kompliziertes, Hilfsprogramm, doch 91% der Menschen arbeiten im informellen Sektor und können sowieso keinerlei Unterstützung beantragen. Berichte über Lebensmittelverteilungen waren laut Beobachtungen von internationalen Netzwerken vor Ort gefälscht, denn es wurden nur sehr wenige Nahrungsmittel an die notleidende Bevölkerung verteilt.

„Die Ruander haben viel mehr Angst vor ihren Polizisten als vor dem Virus“ schreibt der kritische Journalist Christopfer Kayumba und er geht mit solchen Äußerungen ein großes Risiko ein. Die Polizei überwacht die Bevölkerung nicht nur in Corona-Zeiten sehr streng. Wer gegen die Lockdown-Regelungen verstößt, hat Glück, wenn er nur für eine Nacht auf den Treppenstufen des Stadions übernachten muss.

Wie in anderen Ländern sind die Folgen der Schließungen und Ausgangssperre insbesondere für Kinder und Jugendliche sehr ernst und noch viel weitreichender als bei uns. Von März bis November waren die Schulen geschlossen. Ruanda verfügt zwar nahezu flächendeckend über ein 4G-Handynetz, doch digitaler Schulunterricht ist kaum möglich. Mit dem Schulausfall fiel auch die Schulspeisung weg, so dass Kinder inzwischen unter- oder mangelernährt sind. Mit der Zahl der Schulabbrüche steigt die Prostitution sowie die Zahl der Teenagerschwangerschaften, ebenso hat sich die Anzahl der Straßenkinder im vergangenen Jahr verdoppelt.

Ruanda ist ein Land mit vielen jungen Menschen. Bei den Covid-Erkrankungen sind auch Tote zu beklagen, doch es gibt glücklicherweise nicht so viele Schwersterkrankte. Mittlerweile haben die Impfungen begonnen, die Impfreihenfolge ist ähnlich gedacht wie in Deutschland. Dabei sieht der Impfplan vor, dass innerhalb der nächsten 2 Jahre 60% der Bevölkerung geimpft werden soll. (Jeder Mensch in Ruanda wäre glücklich über eine Astra-Zeneca-Impfung).

Auch in unserem Partnerkirchenkreis ist die Situation ernst. Gisenyi liegt am schönen Kivusee, wo zurzeit kein Tourismus stattfindet. Ebenso ist der wirtschaftlich wichtige tägliche Grenzverkehr in den Kongo schon seit längerem  unterbrochen, so dass auch hier Einnahmequellen fehlen.

Superintendent Joseph Ndagiro schrieb uns Anfang Februar, dass die Covid-Zahl schwankt und dass alle Kirchen noch geschlossen sind. (Mittlerweile dürfen in wenigen Kirchen wieder einzelne Gottesdienste gefeiert werden.)

Doch trotz der schlimmen und sehr schwierigen Situation beten unsere Geschwister zuhause weiterhin zu Gott und halten in ihrem Glauben an Gott fest. Sie hoffen, dass sich die Situation ändern wird:

„Despite that bad and very complicated situation, we continue to pray to God in our homes and to believe in Him. We hope that the situation will be changed.“

Der starke und zuversichtliche Glaube unserer Geschwister möge uns Mut machen, durchzuhalten und wie die Menschen in Ruanda nicht zu verzweifeln, sondern auf Gott zu hoffen.

Mit der Verspendung der Freundschaftsbänder beim letzten Partnerschaftssonntag und dank verschiedener Spenden und Kollekten konnten wir im Corona-Jahr 2020 rund 10.000 € an unseren Partnerkirchenkreis überweisen. Dafür dankt Superintendent Joseph uns allen sehr herzlich.

Immer wieder beten unsere Geschwister für uns und auch wir sollten die Menschen in Ruanda in ihrer Situation in unsere Gebete einschließen. Denn genauso wichtig wie die tatkräftige Unterstützung ist auch unsere geistige Unterstützung, Solidarität und Fürbitte. In Christus sind wir Geschwister und wir können viel voneinander lernen und uns gegenseitig schenken.

So freuen wir uns auch in diesem Jahr auf den Partnerschaftssonntag, den wir gemeinsam mit unseren afrikanischen Schwestern und Brüdern am 26. September feiern werden.

Im Lauf des Jahres soll es zudem einige digitale Treffen von jungen Erwachsenen aus Gisenyi und Hattingen-Witten geben. Diese „Treffen“ dienen der Vorbereitung für die erste Jugendbegegnung, die hoffentlich endlich im Sommer 2022 am Kivu-See in Ruanda stattfinden wird.

Ute Wendel, Partnerschaftsbeauftragte

 

Spendenkonto für unsere Partnerschaft

KD-Bank

IBAN DE26 3506 0190 2001 1260 27

„Spende Ruanda“

 

Fotos:

1) Bibelunterricht von Kindern in der Schule, Shyogwe, Ntakirutimana Venant,

    mit freundlicher Genehmigung der VEM

2) leere Straße, Gisenyi, Eraste Rukera